Kommentar von Georg Patay, der mit seiner mehr als 30jährigen HLK-Expertise in unterschiedlichen Managementfunktionen und Verbänden für SHK-AKTUELL regelmäßig unterschiedliche Haustechnikthemen aus seinem Blickwinkel beleuchtet.
Der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft schreitet in Österreich und Europa zügig voran. Doch je höher der Anteil der volatilen Stromerzeugung wird, desto deutlicher zeigt sich: Die große Herausforderung der Defossilisierung liegt nicht mehr allein in der Erzeugungskapazität erneuerbarer Energie, sondern darin, diese regelbar bereitzustellen, wenn sie benötigt wird.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass eine erfolgreiche Transformation ohne Biomasse sowie erneuerbare Gase und flüssige Energieträger kaum möglich sein wird. Die Energiewende tritt damit in eine neue Phase ein – weg von der reinen Erzeugungs- hin zur Speicher-, Vernetzungs- und Verfügbarkeitsfrage.
Speicher werden zur wichtigen Infrastruktur
Einen deutlichen Akzent setzte das Speichersymposium der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich (eNu) im Mai 2026. Während vor wenigen Jahren noch der Ausbau der Photovoltaik im Mittelpunkt stand, herrschte diesmal weitgehend Einigkeit darüber, dass Speicher zum entscheidenden Baustein der Energiewende werden. Niederösterreich verfügt inzwischen über mehr als 160.000 PV-Anlagen mit rund 3.400 MW installierter Leistung.
Der Engpass liegt nicht mehr in der installierten PV-Leistung, sondern in der zeitlichen Verschiebung des erzeugten Stroms. Batteriespeicher reduzieren Lastspitzen, verringern den kostspieligen Netzausbau und schaffen zusätzlichen Spielraum für erneuerbare Erzeugungsanlagen. Die eNu formuliert erstmals ein konkretes Ziel: Bis 2030 werden etwa 1 kWh Speicherkapazität pro Einwohner benötigt. Ein besonders erfolgsversprechend Konzept sind sogenannte Schwarmspeicher. Dabei werden viele tausend dezentrale Batteriespeicher zu einem großen „virtuellen Großspeicher“ zusammengeschaltet.
Wärmepumpen werden zu Flexibilitätsbausteinen
Auch die Rolle der Wärmepumpen verändert sich grundlegend. Aktuelle Studien (AEA) zeigen, dass Wärmepumpen weit mehr sind als reine Heizsysteme. In Verbindung mit Smart Metern, Energiemanagementsystemen und dynamischen Stromtarifen können sie ihren Stromverbrauch flexibel an das Angebot von Wind- und Solarstrom anpassen. Gebäude und Warmwasserspeicher werden dadurch zu kostengünstigen thermischen Speichern. Gemeinsam mit Batteriespeichern und Elektrofahrzeugen entstehen intelligente Speichersysteme, die erneuerbare Energien besser integrieren und gleichzeitig das Stromnetz entlasten.
Batterien und Moleküle ergänzen einander
Zunehmend wird auch deutlich, dass sich nicht alle Speicheraufgaben mit Batterien lösen lassen. Batterien eignen sich hervorragend für die Speicherung von Strom über Sekunden, Stunden oder auch mehrere Tage. Für saisonale Speicheraufgaben kommen hingegen nur molekulare Energieträger wie Wasserstoff, Biomethan, Methanol oder andere eFuels infrage. Sie ermöglichen die Speicherung großer Energiemengen über Wochen oder Monate und können vielfach bestehende Infrastrukturen nutzen. Batterien und molekulare Speicher stehen daher nicht in Konkurrenz, sondern übernehmen unterschiedliche Aufgaben.
Versorgungssicherheit wird immer wichtiger
Insbesondere die Winterversorgung sowie längere Perioden von Dunkelflauten stellen die Stromversorgung zunehmend vor Herausforderungen. Österreich verfügt zwar über eine der sichersten Stromversorgungen Europas, gleichzeitig weisen Analysen der Austrian Power Grid auf eine steigende Importabhängigkeit in den Wintermonaten hin. Für eine stabile Stromversorgung ist daher nicht der Jahresdurchschnitt des erneuerbar erzeugten Stroms entscheidend – dieser liegt derzeit bei mehr als 90 Prozent –, sondern die Fähigkeit, zu jedem Zeitpunkt eine sichere Vollversorgung gewährleisten zu können.
Fazit
Die Defossilisierung wird künftig weniger durch den Ausbau erneuerbarer Energien begrenzt als durch die Fähigkeit, Energie intelligent zu speichern und jederzeit verfügbar zu machen. Ein klimaneutrales Energiesystem wird daher nicht auf einer einzigen Technologie beruhen, sondern auf dem Zusammenspiel kurz- und langfristiger Speicher – sowohl elektronen- als auch molekülbasierter – sowie einer intelligent vernetzten Infrastruktur.
Die Energiewende wird damit zunehmend zu einer Speicher- und Systemfrage. Wärmepumpen werden dabei neben Batteriespeichern zu einem wichtigen Flexibilitätsbaustein.






