Seit 2. Februar können im Rahmen der Sanierungsoffensive nur noch Förderanträge für den Kesseltausch eingereicht werden. Begründet wird diese politische Entscheidung damit, dass die CO₂-Einsparung pro Euro beim Kesseltausch signifikant höher sei, als bei thermischen Sanierungsmaßnahmen.
Was auf den ersten Blick vernünftig wirkt, nämlich Förderungen nur noch dort einzusetzen, wo sie am meisten wirken, erweist sich schnell als Trugschluss. Denn die energietechnische Sanierung eines Bestandsgebäudes kann nur in seiner Gesamtheit gesehen werden.
Beispielsweise kann eine (förderbare) Wärmepumpe, die mit hohen Vorlauftemperaturen gegen eine schlechte Dämmung ankämpfen muss, ihr theoretisch mögliches Einsparpotenzial nicht ganzheitlich ausspielen. Die Jahresarbeitszahl bleibt hinter dem technischen Potenzial zurück und die Enttäuschung beim Nutzer ist spätestens bei der ersten Abrechnung vorprogrammiert. Während Experten etwa im Rahmen der fördertechnisch zwingend vorgeschriebenen Energieberatungen seit jeher betonen, dass erst die Gebäudehülle zu verbessern ist, um danach das jeweils passende Heizsystem darauf abstimmen zu können, gilt dies nun nicht mehr … folgt man der neuen Förderlogik. Damit droht ein erheblicher Anteil von „suboptimal sanierten“ Häusern.
Somit wird der Heizungsindustrie und vor allem dem Installateur ein vermeintlich attraktives Kuckucksei ins Nest gelegt. Zwar belebt es damit den angeschlagenen Kesselabsatz und füllt die Auftragsbücher, aber die Zufriedenheit in der Bevölkerung über die Entscheidung des Heizungstausches wird angesichts kaum realisierbarer Einsparungen deutlich sinken. Effizienz, Speicherfähigkeit der Gebäudehülle und Lastverschiebung bleiben bei dieser Rechnung außen vor.
Damit diese Zeilen nicht falsch verstanden werden: Der Fokus auf den Tausch fossiler Kessel gegen nachhaltige Systeme ist als Akutmaßnahme durchaus nachvollziehbar. Es schafft allerdings nur kurzfristig messbare Effekte. Der Konsument sollte daher vom Heizungsprofi insofern beraten werden, als dass die Förderung in erster Linie als Einstieg in eine Gesamtsanierung zu sehen ist. Sonst ist es lediglich eine halbe Sache.






