Seit Tagen kursiert in Massenmedien die Diskussion um die Gefahr von mit Propan betriebenen Monoblockgeräten durch Frostschäden oder Blackouts. SHK-AKTUELL mit einer Einordnung.
Ausgelöst wurden diese Diskussionen durch einen Beitrag des deutschen Onlineportals „Nius“. In diesem Artikel wurde thematisiert, dass aufgrund des kürzlichen Stromausfalls in Berlin sowie der aktuell herrschenden eisigen Temperaturen mit Propan (R290) betriebene Monoblock-Wärmepumpen zu „tickenden Zeitbomben“ würden.
Zitiert wurde ein Sachverständiger für Bau- und Immobilienangelegenheiten, der der sinngemäß sagt, dass „durch den Stromausfall die Heizung und damit auch der Heizstab, der das Wasser am gefrieren hindert, ausfällt. Bei Minus-Temperaturen könne derart das Wasser in den Leitungen vereisen, sich ausdehnen und den Wärmetauscher beschädigen oder zerstören. Wenn dieser kaputtgeht, habe das Kältemittel direkten Zugang zum Wasserkreislauf und könne so über defekte Leitungen oder undichte Ventile in das Haus eindringen.“ Split-Wärmepumpen hätten dieses Problem im Übrigen nicht, da der Wärmetausch im Gebäude in einem zweiten Gerät stattfindet. Gezeichnet wurde somit ein Szenario, dass sich das in den Wohnraum entweichende hochexplosive Propangas unbemerkt ansammeln könne, da es sich um ein nicht riechbares Industriegas handelt. Schon ein kleiner Funke könne derart zur Katastrophe führen.
Kirche im Dorf lassen
Damit Propangas in das Haus gelangen kann, muss es zu einer unwahrscheinlichen Verkettung ganz bestimmter Ereignisse kommen, da eine allfällige Leckage eher direkt am Außengerät beim Wärmetauscher auftritt und das austretende Propangas gefahrlos ins Freie entweicht. R290 müsste also gezielt in das Gebäude gelangen, um sich dort in einer Konzentration zu sammeln, die bei einer typischen Befüllung von maximal zwei Kilo Kältemittel im System kaum möglich ist. Danach müsste dann ein Funke dafür sorgen, dass es sich entzündet.
Zudem gibt es oft entsprechende Vorkehrungen, wie etwa ein Sicherheitsventil, das an der tiefsten Stelle des Wasserkreislaufes montiert wird. Es sorgt auch ohne Stromversorgung dafür, dass bei Temperaturen, die zu Vereisungen führen können, das gesamte Wasser abgelassen wird.
Dennoch ist es sinnvoll, Wärmepumpen vor Frostschäden zu schützen, um kostspielige Reparaturarbeiten bzw. den Totalausfall zu vermeiden. Wer sich nicht sicher ist, ob sein System über ein automatisches Ablassventil verfügt (das im Übrigen auch nachrüstbar ist), kann das Wasser bei einem länger andauernden Stromausfall durch einen Installateur manuell entfernen lassen.
R290, also Propan, ist das am häufigsten eingesetzte Kältemittel bei aktuellen Wärmepumpen. Das in der Natur vorkommende Gas fällt bei der Gewinnung von Erdöl an und wird etwa auch in Gaskochern oder für Gasheizungen eingesetzt. Propangas ist grundsätzlich ungiftig, nur in einer höheren Konzentration kann es im Falle eines Gasaustritts narkotisierend wirken und beim Einatmen zu Sauerstoffnot führen. Propan hat ein geringes Treibhauspotenzial und kann in Wärmepumpen-Systemen eine Vorlauftemperatur von bis zu 75 °C bieten.
Die Berliner Innung hat kürzlich ein Informationsblatt aufgelegt, das Hinweise für vom Stromausfall betroffene Haushalte liefert:
- Kontaktieren Sie zur Absicherung Ihrer Geräte Ihren Installationsbetrieb; er kennt die Anlage, das Haus und die Verrohrungen.
- Greifen Sie nicht selber in die Installationsanlagen ein; ein Abschalten oder die Entleerung von Geräten sollte nur in Absprache mit dem Fachbetrieb vorgenommen werden.
- Bei einer Wärmepumpe ist es allerdings schon ratsam, das Gerät vom Netz zu trennen, um ein automatisches Einschalten der eingefrorenen Anlage zu verhindern, sobald der Strom wieder fließt.
- Auch bei der Wiederinbetriebnahme nach langem Stillstand bedarf es des fachlichen Monitoring durch den zuständigen Fachbetrieb. Auch ohne Frostschäden ist damit zu rechnen, dass Heizungen neu eingestellt bzw. Temperaturen neu programmiert werden müssen.
- Frostschäden betreffen alle Wärmeerzeuger gleichermaßen: Öl- und Gasheizungen, Fernwärme und Wärmepumpen.
- Hinsichtlich der Vereisung von Wasserleitungen empfiehlt die Innung, regelmäßig Wasser zu zapfen, damit stagnierendes Wasser nicht frieren kann
- Überwachen Sie die Innentemperaturen in Ihren Häusern.
- Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie sich nicht von im Netz kursierenden Videos über explodierende Heizungen irritieren.






