Für ein Referenz-Barrel Brent-Rohöl muss man laut unserem Reality Check vom 14. September umgerechnet 93,66 Euro auf den Tisch legen. Der europäische Benchmark-Gaspreis (TTF) notiert an diesem Tag bei 83,75 Euro pro Megawattstunde (MWh) … das sind die höchsten Preise seit Beginn des Iran-Kriegs. Wie wirkt sich dies nun speziell auf die Haustechnik-Branche aus? SHK-AKTUELL mit einem Überblick.
Fakt ist: Der Markt für fossile Primärenergie hat sich von der vermeintlichen Normalität günstiger und planbarer Versorgung endgültig verabschiedet. Im September halten geopolitische Spannungen die Öl- und Gaspreise auf hohem Niveau und eine rasche Entspannung ist nicht zu erwarten. Kalkulationssicherheit wird zur knappen Ressource, da selbst dann, wenn es demnächst eine dauerhafte Einigung auf Frieden gebe, es bis tief in den Winter hinein dauern würde, bis sich die Situation so weit entspannt hat, dass das „normale“ Tagesgeschäft wieder aufgenommen werden kann.
Für die Haustechnik ist das besonders relevant, da Erdgas und Heizöl im Gebäudebestand nach wie vor tief verankert sind. Die Kostenfrage betrifft zudem nicht nur jene, die eine bestehende Gastherme oder Ölheizung betreiben, sondern auch alle anderen Konsumenten, da sie auch Investitionsentscheidungen, Sanierungsfahrpläne und die Bereitschaft, sich Jahrzehnte an die gewählte Infrastruktur zu binden, beeinflusst.
Wer mit einer hohen Gas- oder Heizölrechnung konfrontiert ist, verfügt nicht automatisch über das Kapital für eine komplette Heizungsmodernisierung. Was bei diesen Menschen zu einem paradoxen Ergebnis führt: Der Handlungsdruck steigt, während die Finanzierungsfähigkeit aufgrund der steigenden Kosten sinkt. Der Austausch wird aufgeschoben, repariert wird nur das Notwendigste, und der Blick richtet sich auf die Anschaffungskosten statt auf die Vollkosten über die gesamte Nutzungsdauer.
Die Krise als Chance
Eine alte Binsenweisheit besagt, dass in jeder Krise auch eine Chance wohnt. So auch in diesem Fall. Denn hohe Preise für Gas und Öl machen sichtbar, was die Branche seit Langem weiß: Die günstigste Kilowattstunde ist jene, die ein Gebäude nicht benötigt. Energieeffizienz wird damit vom abstrakten Klimaziel zur wirtschaftlichen Notwendigkeit.
Dabei sollten jedoch die hohen fossilen Energiepreise nicht zu exzessiv als Verkaufsargument strapaziert werden. Denn Angst ist kein tragfähiges Geschäftsmodell. Wer Kunden ausschließlich mit den nächsten Gasrechnungen konfrontiert, riskiert einen Vertrauens- bzw. Reputationsverlust, sollten die Preise kurzfristig wieder sinken. Wirklich glaubwürdig wird die Beratung erst dann, wenn sie transparent mit Annahmen, Verbrauchsdaten, Fördermöglichkeiten, Investitionskosten, Wartungsaufwand und langfristigen Risiken arbeitet.






