Im Auftrag von „Global 2000“ hat das Ingenieurbüro „e7“ untersucht, inwiefern sich eine thermische Sanierung und ein Heizkesseltausch auch wirtschaftlich rechnen. Ergebnis vorweg: Nichthandeln verursacht über 30 Jahre gerechnet erhebliche Mehrkosten.
Wer jetzt dämmt, die Fenster tauscht und das Heizsystem optimiert, kann laut dieser Studie die Energiekosten um 85 Prozent reduzieren und in 30 Jahren bis zu 141.000 Euro sparen.
Untersucht wurden die thermisch-energetische Sanierung eines typischen Einfamilienhauses mit 151 m² Wohnfläche sowie eines typischen Mehrfamilienhauses mit 16 Wohneinheiten, die bisher jeweils mit Gas beheizt wurden.
Durchgerechnet wurden die folgenden Varianten:
- umfassende thermische Sanierung (Dämmung von Fassade, Kellerdecke sowie oberster Geschossdecke und Fenstertausch)
- Teilsanierung (Einfamilienhaus: Dämmung der obersten Geschossdecke und Fenstertausch; Mehrfamilienhaus: Fenstertausch)
- Varianten mit und ohne Tausch des Heizsystems bzw. beim Mehrfamilienhaus auch eine Variante mit ausschließlichem Heizungstausch
- eine Basisvariante, bei der nur unbedingt notwendige Investitionen und Reparaturen durchgeführt werden
Bei der Lebenszyklusbetrachtung wurden die über einen Zeitraum von 30 Jahren anfallenden Investitions-, Betriebs- und Energiekosten gegenübergestellt. Die aktuell verfügbaren Bundes- und Landesförderungen (Einmalzuschüsse) sowie noch vorhandene Restwerte wurden mitberücksichtigt.
Die Basisvariante verursacht über den Lebenszyklus von 30 Jahren die höchsten Kosten von rund 284.000 Euro. Nichts zu tun schneidet somit am schlechtesten ab. Wird eine umfassende Sanierung umgesetzt und eine Wärmepumpe eingebaut, senkt das die Energiekosten um rund 85 Prozent. Das macht die Einfamilienhaus-Sanierung insgesamt auch wirtschaftlich sinnvoll. Je nach Bundesland und dem verfügbaren Förderangebot kann man sich auf lange Sicht einige Kosten einsparen. Am attraktivsten ist derzeit die Förderung in Tirol.
Kosteneinsparungen je nach Bundesland:
- 141.000 € (Tirol)
- 125.000 € (Kärnten)
- 121.000 € (Wien)
- 106.000 € (Oberösterreich)
- 100.000 € (Salzburg & Vorarlberg)
- 99.000 € (Burgenland)
- 97.000 € (Niederösterreich & Steiermark)
Im allen Bundesländern schneidet die Variante mit der umfassenden Sanierung und der Erdwärmepumpe am besten ab. Generell liegen verschiedene Varianten jedoch meist nahe beieinander.
Mehrfamilienhaus: Senkung der Energiekosten um 73 Prozent möglich
Die Basisvariante verursacht über den Lebenszyklus von 30 Jahren die höchsten Kosten von rund 1,1 Mio. Euro. Dies entspricht rund 68.400 Euro pro Haushalt. Wird eine umfassende Sanierung umgesetzt und eine Wärmepumpe eingebaut, senkt das die Energiekosten um rund 73 %. Damit ist auch für die Mehrfamilienhaus-Sanierung insgesamt die Wirtschaftlichkeit gegeben. Je nach Bundesland und dem verfügbaren Förderangebot kann man sich auf lange Sicht einige Kosten einsparen. Am attraktivsten ist derzeit die Förderung in Wien.
Kosteneinsparungen je nach Bundesland:
- 378.000 € / 23.600 € je Haushalt (Wien)
- 181.000 € / 11.300 € je Haushalt (Tirol)
- 140.000 € / 8.800 € je Haushalt (Oberösterreich)
- 127.000 € / 8.000 € je Haushalt (Salzburg)
- 124.000 € / 7.800 € je Haushalt (Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Steiermark & Vorarlberg)
In allen Bundesländern – mit Ausnahme von Wien – liegt beim Mehrfamilienhaus die Variante mit der umfassenden Sanierung und der Erdwärmepumpe an zweiter Stelle. Die größte berechnete Kosteneinsparung wird bei der Umstellung auf eine Erdwärmepumpe ohne Sanierung erzielt. Aufgrund der anhaltend hohen Energiekosten birgt diese Variante jedoch ein gewisses Kostenrisiko und ist auch aus ökologischer Sicht weniger empfehlenswert. Generell liegen verschiedene Varianten meist nahe beieinander.
Dennoch erfordert eine Sanierung hohe Anfangsinvestitionen. Damit Haushalte diese stemmen können, sind attraktive Förderungen entscheidend. Betrachtet man den Zeitpunkt, ab dem sich eine thermische Sanierung mit Heizungstausch rechnet, zeigt sich – je nach Bundesland und Variante – eine große Bandbreite: im Einfamilienhaus zwischen acht und 20 Jahren, im Mehrfamilienhaus zwischen 17 und 29 Jahren. Eine höhere Förderung senkt die anfänglichen Kosten, verkürzt die Amortisationsdauer und ermöglicht dadurch mehr Menschen die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen.
Die Entscheidung der Bundesregierung, den Sanierungsbonus ersatzlos zu streichen, sendet laut Global 2000 das falsche Signal. Gefordert wird daher eine rasche Nachbesserung der Bundesförderung sowie eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern, um faire und wirksame Förderbedingungen in ganz Österreich sicherzustellen.
Hier kann die gesamte Studie heruntergeladen werden: Studie






