Mit der Energiekrise steigt der Druck, alternative Energiesysteme für Wärme und Strom auszubauen. Zahlreiche ausgereifte Systeme sind am Markt längst verfügbar. SHK-AKTUELL Autorin Cornelia Mayr mit einem Überblick.
Neidisch blicken die Europäer nach Spanien. In den letzten Jahren wurden in diesem Land zahlreiche Wind- und Solarenergieanlagen gebaut. So gehört Spanien zurzeit zu den Regionen mit den günstigsten Strompreisen in Europa.
Trotz des Iran-Kriegs und der damit verbundenen weltweiten Energiekrise, die die Gaspreise explodieren lässt, zeigt Spanien dem Weltenergiemarkt unbeeindruckt die kalte Schulter. Grund ist der bereits sehr fortgeschrittene Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Strompreise reagieren dort weniger stark auf die Schwankungen der Gaspreise, beobachtet der Energie-Thinktank „Ember“.
Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien ist in Spanien der Bedarf an Gasimporten um 26 Milliarden Kubikmeter gesunken und somit wurden 13,5 Milliarden Euro eingespart, rechnet Wirtschaftspublizist Nikolaus Kowall vor.
Potenzial Biogasanlagen
Nicht nur jedes Land bzw. Region, sondern auch jeder einzelne Haushalt könnte Potenziale nutzen, um der drohenden Energiekrise zu trotzen … sollte man meinen.
Denn es müssen nicht nur neue Windräder in den Alpen sein, für die unter anderem der Tourismusflügel im Westen Österreichs wenig Verständnis hat. Viel Potenzial würde auch in der Biomasse liegen. Bereits kleine Biogasanlagen machen Sinn. Das geht in der Studie „Landwirtschaftliche Kleinbiogasanlagen in der Steiermark von „planergy“ aus 2024 hervor. Ein Beispiel dafür ist die Steiermark. Dort befinden sich laut einer Erhebung aus 2022 34 Biogasanlagen.
Das macht das Kraut vielleicht noch nicht fett. Natürlich sind es vor allem kleine Systeme, die meist von Landwirten betrieben werden. Potenzial für zusätzliche 150 landwirtschaftliche Biogasanlagen mit bis zu 75 kWel (Kilowatt elektrisch) neben neu entstehenden Biomethaneinspeiseanlagen bis zum Jahr 2035 könnte in der Steiermark liegen.
Einige Anlagen aus den 1990ern wurden inzwischen schon wieder geschlossen wie Gruber (Gröbming), Gangl (Semriach), Harrer (St. Radegund), Pichlmaier (Rottenmann), Steiner (Stein an der Enns) oder Fiedler (Bad Waltersdorf). Die meisten aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit. Aber eben nicht alle.

Installateur verantwortet Hydraulik
Die Familie Bisail aus Gratwein hielt durch. Ihre Kleinbiogasanlage wurde 2015 errichtet.
Sie mache den Betrieb unabhängiger, sind die Bisails überzeugt. Der Biobauernhof verfügt über 6.000 Biomasthennen, sechs Hektar Grünland, vier Hektar Acker und zehn Hektar Wald. „Wir hatten wegen der Hennen immer einen sehr großen, dampfenden Misthaufen, wo viel Energie steckte“, erzählt Josef Bisail. Da hätte er die Idee einer Biogasanlage gehabt. Der Misthaufen ist nun weg – zugeführt und verwertet in der Biogasanlage. Diese leistet 15 kWel Strom und 20 kWth Wärme. Gefüttert wird die Anlage mit 150 bis 200 Tonnen Hühnermist pro Jahr und 20 bis 50 Tonnen Maissilage pro Jahr. „Hinzu kommt auch der Abfall unseres Getreides, das wir ab Hof direkt vermarkten“, erklärt Bisail.
Es handelt sich bei der Technik um eine Hofbiogasanlage, die mit einem Generatoraggregat betrieben wird. Der Generator stammt von einer ostdeutschen Firma, die Behälter von Lehner Bau, der Gasspeicher von Tecon aus Ilz. Ein Installateur aus Graz verantwortet die Hydraulik und wartet die Anlage seither.
Vertrag mit ÖMAG
Die Bisails investierten in die Anlage zirka 100.000 Euro, zusätzlich 1.000 Stunden wurden selbst geleistet. „Wir haben fast alles selbst geplant“, sagt Josef Bisail. Förderungen hatte der Landwirt keine in Anspruch genommen. Für die Genehmigung brauchte es allerdings zehn Jahre. „Das war ein Marathon“, ergänzt er. Jetzt soll es nicht anders sein, wie er rundherum hört. „Das ist ewig schade. So viele Landwirte könnten ihren Betrieb mit eigener Energie absichern, aber das ist politisch scheinbar nicht erwünscht“, so Bisail.
Die Wärme benötigt der Landwirt nicht nur für den Wohnbereich, sondern auch für den Kücken- und Hennenstall. „Wir haben bei der Ökostrom AG (oeMAG) einen Volleinspeiservertrag“, erklärt der Landwirt. Den erhalte nicht jeder. „Als wir um den Vertrag ansuchten, ist gerade ein Kontingent frei geworden“, erzählt Bisail. Für die Kilowattstunde erhält er 19,5 Cent. Der Vertrag ist mit einer Laufzeit von 15 Jahren befristet. Es könnte sein, dass er noch einige Jahre verlängert wird. Möglich wäre nach Vertragsschluss mit anderen eine Energiegemeinschaft zu gründen oder private Abnehmer zu finden.
In seiner Umgebung gibt es viele Kollegen, die sich auf Photovoltaik verstehen würden. Viele nützen Speicher dazu. Biomasse biete jedoch für Josef Bisail den Vorteil, unabhängig von Sonne und Wind zu sein, sagt er in dem Interview an einem verregneten Tag.
Biogasanteile gering
Noch ist nicht sicher, ob es bis 2030 gelingt, zehn Prozent des österreichischen Gasbedarfs mit erneuerbaren Gasen zu ersetzen. Das Regierungsprogramm würde es jedenfalls vorsehen.
Der Anteil des Biogases am Gasverbrauch beträgt in Österreich nur 0,2 Prozent. Derzeit gibt es in Österreich 270 Biogas-, davon 15 Biomethananlagen. Das Methan zur Gasproduktion wird durch Entzug von CO2 gewonnen. Zusätzliche Gasleitungen müssen implementiert werden. Die Investitionskosten seien hoch, sind sich Experten einig. Und daran scheitern viele Vorhaben. Realisten betonen, dass Biogas auf keinen Fall den hohen Gaskonsum in Österreich decken könne.
Sonnenstrom weiter im Aufschwung
Derzeit ist die Photovoltaik (PV) einer der beliebtesten erneuerbaren Energieformen der Österreicher.
Das beweist die Publikation „Energie in Österreich“. Diese wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) 2025 herausgegeben. 2024 konnte die PV um 19,5 Prozent im Vergleich zu 2023 gesteigert werden. Wind stieg um 15,2 Prozent und die Wasserkraft um 12,4 Prozent. Die Umgebungswärme – also Luft, Wasser, Erdreich – steigerte sich immerhin um 5,5 Prozent.
Rückgang der Fossilen
Alle anderen Energieträger gingen zurück. Dass sich Erdgas um minus 1,0 Prozent, Öl um minus 2,1 Prozent und Kohle um 2,7 Prozent verringerten, ist wohl unter anderem schwankenden Öl- und Gaspreisen aus krisengeschüttelten Importländern und dem Ukraine-Russland-Krieg geschuldet. Zurückgegangen sind auch brennbare Abfälle mit Minus zwei Prozent und biogene Energien mit einem Minus von 3,6 Prozent.
„Trotz des deutlichen Zuwachses bei Pelletkesseln in den letzten Jahren wird die Bedeutung fester Biomassebrennnstoffe künftig durch die fortschreitende Elektrifizierung und den Ausbau von Wärmepumpen tendenziell abnehmen“, vermuten die Autoren dieser Studie. Eine Ausnahme bilden Stückholzöfen – wohl wegen der Wohnbehaglichkeit. Die sei Wärmekunden besonders wichtig. Als Vorteil der Biomasse wird jedenfalls die Zeit- und Wetterunabhängigkeit genannt.

Klare Ausstiegspläne aus Fossilen
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht Österreich beim Einsatz von Erneuerbaren gar nicht so schlecht da.
Der Anteil an erneuerbarer Energie am Brutto-Inlandsverbrauch ist fast doppelt so hoch als im EU-27-Durchschnitt.
Klar vorne ist die Republik auch bei Biomasse. Der Anteil biogener Energien am Bruttoinlandsverbrauch beträgt in Österreich 19,3 Prozent (2024), im EU-27-Durchschnitt sind das nur elf Prozent. Die Fernwärmeerzeugung aus Biomasse hat sich seit 2005 mehr als verdreifacht. Der biogene Anteil an der Fernwärme erhöhte sich von 22 auf 55 Prozent.
„Ohne Bioenergie gibt es keine Energiewende“, ist sich Christoph Pfemeter, Geschäftsführer des Österreichischen Biomasseverbandes, sicher. Er fordert klare Ausstiegspläne für fossile Energie und die dafür nötigen Maßnahmen. Das Ziel könne nur durch rechtliche Regulierungen oder durch Förderungen erreicht werden. Am besten wäre das Zusammenspiel beider. „Bei stärkerer Regulierung müssen natürlich weniger Fördermaßnahmen gesetzt werden“, sagt Pfemeter.
Den hohen Investionskosten bei Biomasseheizungen stellt Pfemeter geringere Betriebskosten gegenüber. Im Wärmemarkt sind Biomassebrennstoffe grundsätzlich deutlich günstiger als die fossilen Pendants. „Wenn man die Klimawandelschäden nicht dazurechnet, ist fossile Energie in wesentlichen Teilbereichen wie Strom, Treibstoff oder (Bio-)Gas noch günstiger; daher braucht es eine konsequente Umweltpolitik“, so Pfemeter.
Kesselförderung greift
In den vergangenen Jahrzehnten ist viel Geld in fossile Infrasturktur bzw. Märkte geflossen.
„Jetzt ist es an der Zeit, Investitionen in die Erneuerbaren zu tätigen“, so Pfemeter. In den Regionen, wo es sich rechnet, müsste mehr in Pellets- und Holzheizungen investiert werden. „Die Fördermittel für den Kesseltausch sollten verdoppelt werden“, fordert Pfemeter. Jeder, der möchte, sollte die Möglichkeit haben, seinen Kessel auszutauschen. „Das rechnet sich auch für den Finanzminister“, so der Biomasseverband-Geschäftsführer. Durch die Einnahmen aus Steuern und Arbeit sind Kesseltauschförderungen schon vor der Auszahlung der Förderung, die nach Investitionen erfolgt, budgetpositiv.
Zertifizierungssystem implementiert
Seit zwei Jahren wird von der Europäischen Union ein Nachhaltigkeitsnachweis für Unternehmen im Biogas- und Biomassemarkt verlangt. „SURE“ steht für Sustainable Resources Verification Scheme. Dabei wird forstwirtschaftliche Biomasse sowie Abfälle und Reststoffe aus Biomasse ebenso anerkannt, wie für die Bilanzierung des Treibhausgas-Minderungspotenzials der Bioenergie.
Das Zertifizierungssystem bedeutet für Anlagenbetreiber aber auch mehr Arbeit durch mehr Bürokratie. Die Parameter dafür hätten sich ständig geändert, klagt Pfemeter. Laufend wäre etwas geändert worden, wie etwa die Größenordnung oder welche Rohstoffe erlaubt sind. Vorher galt das Zertifizierungssystem für Anlagen mit 20 Megawatt, jetzt ab 7,5 Megawatt.


Erhöhte Biomasseanteile
„Wir denken, dass der Anteil der Biomasseheizungen in Zukunft steigt, die dafür benötigte Holzmenge aber sinken wird“, meint Pfemeter.
Vor allem Pelletsheizungen und Kombigeräte werden stark zunehmen – reine Scheitholzkessel aus Komfortgründen eher zurückgehen. Die Gebäude werden immer besser isoliert und der Klimawandel drängt lange Winter zurück. Die Zahlen geben ihm recht: Der Bruttoinlandsverbrauch bei Energieträgern ist 2024 um 1,5 Prozent zurückgegangen. „Bei der Raumwärme wird Biomasse weiterhin eine große Rolle spielen“, ist sich Pfemeter sicher. Nicht zuletzt auch wegen des Biomasseanteils in der Fernwärme und in Kraft-Wärme-Kopplungswerken.
Bleibt noch das Thema Preis. Aufgrund der höheren Nachfrage sind die Pelletspreise wieder gestiegen. Der Durchschnittspreis lag 2024 bei 265 bis 300 Euro pro Tonne, 2025 bei 300 bis 320 Euro pro Tonne. Laut „Pellets Home“ war der stärkere Winter, die höhere Nachfrage, steigende Transportkosten und stärkere saisonale Schwankungen dafür verantwortlich.
100-Prozent-Ziel
Welche Vision hat der Geschäftsführer des Österreichischen Biomasseverbandes?
„Die Bundesregierung soll sich klar zum Ausstieg von fossilen Energien bekennen“, fordert er. Wenn alle Vertreter der erneuerbaren Energien an einem Strang ziehen, könnte es in Richtung 100 Prozent Erneuerbare gehen. Das wäre in Summe ein optimales Energiekonzept. Wenn alle den Energieverbrauch reduzierten, könnte das Ziel der 100 Prozent schneller erreicht werden. „Durch die Energiekrise schlägt das Pendel jetzt in die andere Richtung“, so Pfemeter.
Marktführer Wärmepumpe
„Am beliebtesten ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe“, sagt Franz Wolf, Inhaber des gleichnamigen Installationsbetriebes in Langenlois, Niederösterreich.
„Die Wärmepumpe funktioniert aber nur bei energetisch-sanierten oder – natürlich – neu errichteten Gebäuden“, so Wolf. Der Installateur bietet mit seinem Team alle erdenklichen Heizsysteme an: Von Photovoltaik über Wärmepumpe bis Biomasse.
Für eine Pelletsheizung entscheiden sich Kunden zumeist, wenn sie ihre Ölheizung ersetzen möchten. „Der Öllagerraum kann dann gleich für die Pelletslagerung verwendet werden“, so Wolf. Vorrangig Kunden aus dem ländlichen Raum lassen sich eine Pelletsheizung einbauen. Sie sei jedoch rund 10.000 Euro teurer als eine Wärmepumpe. Insgesamt müsse man bei einer Pelletsheizung laut dem Profi mit 36.000 Euro rechnen … ohne Förderungen, da diese je nach Bundesland ganz unterschiedlich ausfallen können.
Sein Fazit: „Die Energiekrise bringt Kunden wieder dazu, über erneuerbare Heizsysteme nachzudenken“.






