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Warum Fenster öffnen zur Lüftung nicht reicht

von Redaktion
2. August 2026
in Klima
Foto: 123rf/rollingcamera

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Raumluftexperten sind sich darin einig, dass Lüftungstechnik dem bloßen Fenster öffnen vorzuziehen ist. Zahlreiche Unternehmen bieten längst effiziente Lüftungsanlagen an, die nicht nur für gute Luft in Innenräumen sorgen, sondern auch dazu beitragen, dass signifikant Energie gespart wird.

Das Bedürfnis nach guter Luft ist so alt, wie die Urbanisierung der Menschen. Seit wir es gewohnt sind, in geschlossenen Räumen zu leben, suchen wir nach Lösungen, verbrauchte Luft möglichst effizient auszutauschen.

Das Bewusstsein, dass frische Luft zur Leistungsfähigkeit beiträgt, ist dabei in den letzten Jahren noch weiter gestiegen, weiß Samantha Stangl. Sie ist nicht nur Geschäftsführerin der Klima- und Heiztechnikfirma Wolf, sondern sitzt auch im Vorstand der Interessengemeinschaft ZuLuft: „Wir möchten das unsichtbare Thema Luft sichtbar machen“, so Stangl.

Erst vor kurzem gab ZuLuft eine entsprechende Markterhebung in Auftrag. Insgesamt sind 30 Unternehmen als Mitglieder eingeschrieben. Darunter nicht nur Firmen sondern auch Sachverständige der Klima- und Lüftungstechnik. Insgesamt werden in dieser Gruppe mit 700 Arbeitnehmern rund 200 Millionen Euro umgesetzt.

Lüftungstechnik bevorzugt
Heute sind sich alle Experten einig, dass eine mechanische Lüftung Vorteile gegenüber der Fensteröffnung hat. Vor allem in Büroräumen mit vielen Menschen ist zudem das manuelle Fensteröffnen aufgrund von unterschiedlichen Befindlichkeiten bekanntlich immer wieder auch ein Reibepunkt.
Die „Pettenkofer“-Grenze ist jedenfalls ein Indikator für Luftqualität und steht somit für den Lüftungsbedarf. Diese liegt bei 1.000 ppm (parts per million). Das ist die Anzahl der CO2-Moleküle pro einer Million Luftmoleküle oder 0,1 Prozent Kohlendioxid (CO2). Also das Maß über die Dauer des Aufenthalts in Wohn- bzw. Innenräumen und ist somit hygienisch unbedenklich. Eine Stoßlüftung kommt häufig nicht über eine mäßige Luftqualität hinaus, mechanische Anlagen können konstant gute Luftwerte erreichen.

Effizienz gefragt
Bei Lüftungsanlagen, die nur den Feuchteschutz bedient, wie sie beispielsweise dezentral in Bädern im Neubau eingebaut sind, ist das Öffnen der Fenster noch nötig, betont Energiesparkommissar und Youtuber Carsten Herbert aus Babenhausen, in Hessen.
Der studierte Bauingenieur ließ in seinem Fachwerkhaus eine Zuluft-/Abluft-Anlage einbauen. Bei dieser Anlage – egal ob zentral oder dezentral – die nicht nur für den Feuchteschutz, sondern auch für die Raumhygiene installiert ist, können die Fenster zusätzlich geöffnet werden, müssen es aber nicht mehr. Das gilt auch für Anlagen mit den Funktionen Feuchteschutz, Raumlufthygiene und Wärmerückgewinnung.

Vorteile der Wärmerückgewinnung
In einer Studie des ITG (Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden) wird die so betitelte „Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung als nachhaltige Schlüsseltechnologie zur Erreichung der Klimaziele“ gesehen. Der Autor, Architekt Burkhard Schulze Darup, wird öfters in der Branche zitiert, 2022 wurde die Studie erstellt.
Als Vorteil der ventilatorgestützten Lüftung mit Wärmerückgewinnung sieht er im Vergleich zur Fensterlüftung die Kontinuität. Regelmäßig werden so automatisch Schadstoffe abgeführt. Die Grundlüftung vermeidet Schimmel durch den regelmäßigen Luftaustausch. Feuchtigkeitsbauschäden sind derart nicht zu erwarten – außer bei deutlichen bauphysikalischen Mängeln. Die Wärme verteilt sich regelmäßig in den Räumen, wenn die Bauphysik in Ordnung ist. Durch hochwertige F7/F8-Filter können zu einem großen Teil Staub und Pollen ausgefiltert werden.
Bis über 90 Prozent Wärmerückgewinnung können aus der Abluft generiert werden. Die Lüftungswärmeverluste guter Anlagen liegen bei 5 kWh (m2a).

Nachteile der Fensteröffnung
Demgegenüber ist die Fensteröffnung wenig komfortabel. Es muss viel Zeitaufwand betrieben werden, um zirka alle zwei Stunden – bei Querlüftung jeweils fünf bis zehn Minuten – und eigentlich auch nachts die Fenster zu öffnen.
Durch das freie Lüften kommt es zur Abkühlung, die Temperaturen sinken in den Räumen. Schulze Darup kommt auf Lüftungswärmeverluste von bis zu 40 kWh (m2a). Das deutsche Umweltamt kommt sogar auf Verluste bis zu 50 kWh (m2a).
Viel Staub, Pollen und Insekten strömen beim Öffnen der Fenster in die Räume. Feuchteschäden können bei un- bzw. schlecht sanierten Gebäuden auftreten. Ebenso kann durch Stoßlüften die Außenlärmbelastung an verkehrsreichen Straßen sehr hoch sein. Hochwertige Lüftungsgeräte sorgen dafür, dass Außenlärm nicht in den Wohnraum gelangt. Der Schalldruckpegel liegt bei diesen Geräten bei 25 dB(A). Das ist ungefähr wie das Rascheln von Blättern. Und natürlich gibt es auch keinen Einbruchsschutz bei gekippten Fenstern.

68 Prozent vorgeschrieben
Wieviel Wärme zurückgewonnen werden kann, hängt von den einzelnen Systemen ab. „Gemäß den Anforderungen der ErP-Richtlinie sind für Kreislaufverbundsysteme (HKVS) Wärmerückgewinnungsgrade von mindestens 68 Prozent vorgeschrieben“, weiß Samantha Stangl von Wolf.
Für Kreuzstrom-, Gegenstrom- bzw. Gleichstromwärmetauscher sowie Rotationswärmetauscher liegt der geforderte Mindestwirkungsgrad bei 73 Prozent. „Je nach Anlagentyp, Auslegung und Betriebsbedingungen können in der Praxis jedoch Wärmerückgewinnungsgrade von bis zu 90 Prozent erreicht werden“, sagt Stangl. Bei Wolf würden sämtliche gängigen Wärmerückgewinnungssysteme angeboten werden. Stangl rät aber davon ab, im Nachhinein bei einem Neubau eine Komfortlüftungsanlage wegen der aufwändigen Installationen einzubauen.

Richtig dimensioniert
Beim Kauf eines Lüftungsgerätes mit Wärmerückgewinnung ist die richtige Auswahl der Gerätegröße entscheidend.
„Ein zu kleines Gerät kann den Bedarf nicht decken, während ein zu großes Modell unnötig hohe Investitionskosten verursacht“, sagt Christian Buchbauer, Leiter Marketing und technical Pre-Sales bei Vaillant Austria. Auch die Leitungen müssen korrekt dimensioniert sein. „Die Luftleitungen sollten so ausgelegt sein, dass sie Geräusch- und Zugerscheinungen minimieren“, so Buchbauer.
Frühzeitige Planung zusammen mit allen anderen Installationen eines neuen Hauses ist das Nonplusultra. „Eine fachgerechte Planung sorgt dafür, dass die Anlage effizient arbeitet und keine unangenehmen Geräusche oder Zugluft entstehen, die den Wohnkomfort beeinträchtigen können“, so Buchbauer.
Für Wohnungen reichen kleinere Geräte mit Luftmengen von 40-150 m3/h, für Einfamilienhäuser bzw. größeren Luftbedarf werden Geräte mit 70-360 m3/h empfohlen. „In der Regel werden kompakte, energieeffiziente Geräte bevorzugt, die einfach zu installieren und auch zu warten sind“, so Buchbauer

Partnerprogramme für Installateure
Anbieter von Lüftungsanlagen entwickelten Partnersysteme für Installateure. Vor allem in den östlichen Bundeländern würde dies laut Wolf gut angenommen. „Wir begleiten den Installateur-Partner zum Kunden“, sagt Stangl. Die Installation der Lüftungsanlage übernimmt der Installateur vor Ort. „Wolf ist dann für die Inbetriebnahme zuständig“, so die Geschäftsführerin. Für die Wartung ebenso. Der Installateur kann sich als Kompetenz- oder Exklusivpartner bei Wolf bewerben, um derart von Schulungen und Trainings zu profitieren.

Investitionskosten
Die Wirtschaftlichkeit einer Lüftungsanlage hängt stark von der Qualifikation des Planers ab, wird in der Arbeitsgruppe Lüftung des deutschen Umweltbundesamtes betont.
Für Investitionskosten von Abluftanlagen wird 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche angegeben, bei Komfortlüftungsanlagen, also mit Wärmerückgewinnung, 40 bis 70 Euro. Bei ungünstigen Planungen auch über 100 Euro pro Quadratmeter. Die Mehrkosten einer Komfortlüftung im Vergleich zu einer Abluftanlage würden bei optimaler Planung bei 20 Euro pro Quadratmeter liegen. „Für ein Einfamilienhaus im Neubau muss bei einer zentral kontrollierten Wohnraumlüftung mit 10.000 bis 18.000 Euro gerechnet werden“, so Stangl von Wolf.

Nachtlüftungsöffnungen
Sollten die Nutzer bei freiem Lüften bleiben, ist zu einer Querlüftung – zusätzliches Öffnen des gegenüberliegenden Fensters – zu raten. Um eine gute Luftqualität analog zur mechanischen Lüftung zu erreichen, muss dies alle 90 Minuten erfolgen.
Nachtlüftung kann bei Lüftungsanlagen in den sommerlichen Wärmeschutz eingebunden werden, wird beim Arbeitskreis Lüftung betont. Kühle Luft wird von außen über Fenster oder Nachtlüftungsöffnungen in die Wohnräume angesaugt und die Abluft wieder abgeführt. Somit wird der Wärmetauscher der Lüftungsanlage umgangen. Der Umwelt-Wecker tickt. Effiziente Lüftungskonzepte sind gefragt.

Autorin: Cornelia Mayr

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