Im Gespräch mit SHK-AKTUELL skizziert BWT-Vorstandsvorsitzender Andreas Weißenbacher die aktuelle Performance von Windhager, thematisiert die Herausforderungen bei der Eingliederung von BHT – Best Heating Technology in die Unternehmensgruppe und erklärt, wie er diese traditionsreiche Marke an die Spitze der Wärmeindustrie führen will.
Andreas Weißenbacher für ein Interview zu überzeugen, ist kein einfaches Unterfangen. Schließlich ist der Vorstandsvorsitzende der BWT-Gruppe und damit Chef von mehr als 6.000 Mitarbeitern mehr als die Hälfte des Jahres unterwegs, um die Menschen weltweit für seinen Claim „For you and Planet Blue“ zu begeistern.
Dass er sich dennoch Zeit genommen hat, mit SHK-AKTUELL über seine jüngste Akquise – dem Salzburger Wärmeexperten Windhager – zu sprechen, zeigt, wie wichtig ihm dieses traditionsreiche Heizungsunternehmen ist.
Herr Weißenbacher, zwei Jahre nach der Übernahme von Windhager durch die BWT-Gruppe wurden Ende Mai Restrukturierungsmaßnahmen bekannt. Ist dies nun den Altlasten geschuldet, oder geht es hier um präventive Maßnahmen?
Andreas Weißenbacher: Es ist eine Kombination. Als wir vor etwas mehr als zwei Jahren angetreten sind in das Thema „Best Heating Technology“ einzusteigen, haben wir vor allem dank einer hervorragenden Mannschaft mit unserer Europastrategie durchaus wichtige Akzente gesetzt. Sie sind zwar teilweise noch nicht sichtbar, werden aber langfristig dazu beitragen, unsere Branche positiv zu beeinflussen – so wie man es gewohnt ist, wenn ein „B“ vor dem Firmennamen steht.
„Best Heating Technology“ ist für uns zu einer Passion geworden, die wir mit all unserem Leistungspotenzial und mit unseren Fähigkeiten nutzen, um auch hier dem Claim „For you and Planet Blue“ gerecht zu werden. Natürlich ist es angesichts der aktuellen Situation eine sportliche Herausforderung, aber wir haben diese Gelegenheit nicht nur mit großer Freude wahrgenommen, sondern es steckt mittlerweile auch ganz viel persönliches Herzblut in diesem Unternehmen. Aufmerksame Beobachter erkennen dies unter anderem auch daran, dass ich mein Markenzeichen – die pinke Kappe – immer öfter mit der roten von Windhager tausche. Außerdem hat uns schon der Modedesigner Prada vorgemacht, dass sich Pink und Rot perfekt ergänzen (lacht).
Natürlich ist es für unsere Arbeit im Heizungsbereich kein Nachteil, dass wir durch die wirklich gut performende BWT-Gruppe, die in 122 Ländern aktiv ist, erheblichen Rückenwind genießen. Und schließlich verfügen wir mit Christian Rubin über einen perfekt vernetzten Geschäftsführer, der die Wärmewelt von der Pike auf sozusagen in seine DNA aufgenommen hat.
War es bereits bei Ihrem Einstieg absehbar, dass es zu Restrukturierungen kommen wird müssen?
Wenn man in ein neues Unternehmen einsteigt und aufgrund der akuten Situation nur wenige Tage Zeit hat, einen Strategieplan aufzusetzen, ist dies natürlich immer herausfordernd. Dennoch hat das Managementteam aus meiner Sicht einen tollen Job gemacht. Schließlich sind wir bereits drei Monate nach der Übernahme wirtschaftlich recht erfolgreich gewesen.
Dann kam das bekanntlich besonders dunkelgraue 2025er Jahr, in dem der Heizungsmarkt überhaupt nicht angesprungen ist. Zu dieser Zeit haben wir erkannt, dass wir da und dort noch „room for improvement“, also Spielraum für Verbesserungen haben. Nachdem jedoch die Analysen für 2026 eine Verbesserung in Aussicht stellten, waren wir da – zugegeben – etwas zu wenig progressiv. Die Markterholung hat sich jedoch nicht bewahrheitet – sie hat sich im Gegenteil sogar noch weiter verschlechtert. Als redlicher Unternehmer hat man daher Maßnahmen zu setzen, die auf den ersten Blick nicht populär erscheinen mögen, jedoch unabdingbar sind, um mittel- bis langfristig gut aufgestellt zu bleiben. Für jene Leute, die dadurch leider nicht mehr auf unserer Payroll stehen, haben wir natürlich auch gemäß unserer sozialen Verantwortung gehandelt. Generell haben wir in den Standort in Seekirchen viel investiert und an zahlreichen Optimierungsschrauben gedreht.
Was hat sich seit der Integration von Windhager in Ihre Gruppe strukturell oder organisatorisch besonders markant geändert?
Wir denken in jeder unserer Firmen stets in zwei zentralen Bereichen – in SSM (Sales Service, Marketing) und PLP (Procurement, Logistics, Production) – also Kernbereiche der industriellen Wertschöpfungskette. Derart konnten wir ziemlich vernünftige und wie man bis heute sieht, durchaus erfolgreiche Organisationsformen schaffen. Wir arbeiten da in einer Matrix, für die wir noch vor 15 Jahren eher belächelt wurden. Sie hat uns jedoch zu einer klaren Marktführerschaft gebracht – sowohl in Europa als auch weltweit … vor allem im Pharma- und Biotech-Bereich, auf die wir besonders stolz sind. Schließlich verfügen wir damit über einen Bereich, in dem wir absolut und mit großem Abstand weltweit an der Spitze stehen. Diese Struktur und Organisation ist das Fundament für unsere Arbeit und wird sozusagen als Blaupause für all unsere Aktivitäten genutzt. Gemeinsam mit dem Spirit und den Skills unserer Mitarbeiter können wir so langfristig erfolgreich bleiben und in engem Schulterkontakt zu unseren Partnern, die in der Zwischenzeit vielfach zu Freunden geworden sind, gemeinsam wachsen.
Und diese Matrix ist auch schon bei Windhager implementiert?
Während Windhager vor unserer Zeit eher auf die „D-A-CH-Region“ fokussiert war, haben wir nun die Basis geschaffen, dass die Marke zu einem international tätigen Unternehmen wird. Es ist zweifelsfrei ein langer Weg, doch die zentralen Schritte wurden bereits gesetzt.
Zurück zur Restrukturierung: Wo muss noch gespart werden?
Overheadkosten werden überall dort eingespart, wo es Bereiche gibt, die nicht kurzfristig in finanziellen und auch nachhaltigen Erfolg transformierbar sind.
Bleibt der Standort in Seekirchen?
Darüber besteht überhaupt keine Diskussion. Wir verfügen in Seekirchen über einen perfekt aufgestellten Standort, in den wir in den letzten beiden Jahren mehr als 90 Millionen Euro investiert haben. Also zu einer Zeit, die wirklich nicht einfach war. Diese Entschlossenheit, wie wir an Dinge herangehen, beweist, dass wir vom langfristigen Erfolg fest überzeugt sind. Wir haben außerdem ein hervorragendes Management zusammengestellt.
Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ihren Marktpartnern?
Natürlich hat der eine oder andere Installateur nach den Restrukturierungs-Meldungen in der Presse angerufen und wollte den Status Quo erfahren. Doch ganz grundsätzlich wissen unsere Partner ohnehin ganz genau, dass bei einem Unternehmen, das von Andreas Weißenbacher verantwortet wird, kein Grund zur Sorge besteht. Wer mit uns zusammenarbeitet, kann darauf vertrauen, dass die Geschäfte funktionieren.
Inwieweit haben sich die Vertriebsstrukturen, das Service und die Schulungsangebote geändert?
Wir verfügen in Österreich über ein hervorragendes Service – das sehe ich als ganz wesentliches Windhager-Asset. Unser Kundendienstleiter Markus Strasser leistet hier ausgezeichnete Arbeit. Gleiches wollen wir nun auch für unsere Exportmärkte sicherstellen. Vertrieb, Service und Schulungen gelten ja ohnehin als ausgewiesene Stärken unserer Gruppe – es sind unsere zentralen Säulen und haben BWT groß gemacht. Sozusagen frei nach Niki Lauda: „Service is our success“. Somit ist unser einziges wirkliches Thema, dass der Markt aktuell so ist, wie er eben ist. Da können wir als BWT/BHT nicht viel beeinflussen.
Stichwort „Exportmärkte“: Die von Ihnen erwähnte Matrix sieht ja auch globale Expansion vor. Welche Regionen haben Sie da besonders am Radar?
Windhager erwirtschaftet derzeit unter 100 Millionen Euro, davon 40 Prozent des Umsatzes in Österreich. Das ist zwar noch ausbaubar, doch ohne Erweiterung der Exportmärkte funktioniert unser Modell nicht. Im „D-A-CH-Raum“ ist BHT gut aufgestellt und auch in Italien, Frankreich, England und Skandinavien geht es voran. Unser Ziel ist es aber, über den Kontinent hinaus zu denken. Mithilfe unseres globalen BWT-Netzwerkes sollte es zeitnah gelingen, die Welt von der hochstehenden Windhager-Technologie zu überzeugen. Schließlich zählen unsere Produkte zu den zentralen Bausteinen der Energie- bzw. Wärmewende.
Wie beurteilen Sie ganz allgemein die mittel- bis langfristige Situation am Heizungsmarkt?
Aus der aktuell herausfordernden Situation erkennen wir Licht am Ende des Tunnels. Wir sind der festen Überzeugung, dass erneuerbare Energie der zentrale Schlüssel für die Energiewende ist.
Sowohl Biomasse-Kessel als auch Wärmepumpen tragen maßgeblich dazu bei, unsere Welt ein Stück weit besser zu machen – for you and Planet Blue. Diese Mission steckt in der DNA unserer Gruppe. Neben all den kaufmännischen Strategien gilt es, vor allem an unseren Planeten zu denken. Allem voran steht daher, dafür Sorge zu tragen, dass dieser Planet nachhaltig lebenswert bleibt. Mit unseren Produkten haben wir das entsprechende Werkzeug in der Hand.
Windhager steht in der heimischen Branche für Biomasse, setzt seit ein paar Jahren aber auch stark auf die Wärmepumpe. Sollen es langfristig zwei gleichwertige Säulen sein?
Unser Management-Team hat ein hervorragendes Wärmepumpenprogramm auf die Beine gestellt, das vom Markt gut angenommen wird, da wir bei allen maßgeblichen Qualitätskriterien punkten. Außerdem fertigen wir unsere Produkte zu 100 Prozent in Österreich. Aktuell beträgt der Umsatzanteil bei Wärmepumpen noch unter zehn Prozent. Wir gehen aber davon aus, dass sich dies in den nächsten drei bis vier Jahren signifikant ändern wird.
Wenn Sie in zwei, drei Sätzen zusammenfassen müssten, warum Installateure bevorzugt Ihre Produkte einbauen sollen, wie würden diese lauten?
Zum einen passen „Best Water- und Best Heating-Technologie“ hervorragend zusammen. Unser globales Partner-Netzwerk vertraut seit vielen Jahren sowohl auf die Expertise unserer Gruppe, als auch auf die hochstehende Servicekompetenz. Dieses Image überträgt sich natürlich auch auf unser BHT-Portfolio – schließlich geht es ja zum Großteil um die gleiche Zielgruppe, also unsere Installateurpartner. Bei allem, was wir tun, sind wir es gewohnt, uns richtig anzustrengen. Das hat uns eine große Treue und Verbundenheit in der SHK-Branche eingebracht. Wir wollen ganz einfach mit unserer Leistungsfähigkeit begeistern. Wir sind jedenfalls nicht angetreten, um Nummer sechs zu bleiben.
Welche Synergien lassen sich innerhalb Ihrer Gruppe nutzen? Kommt ein „Rundum-Sorglos-Paket“ aus Wasser und Wärme?
Unsere Gruppe setzt sich aus verschiedenen Einheiten mit unterschiedlichen Strategien zusammen. Beispielsweise ist BWT vertriebstechnisch dreistufig aufgestellt und BHT zweistufig – das soll auch so bleiben. Aber natürlich arbeiten wir intensiv daran, unser Produktportfolio entsprechend abzustimmen. Über die maßgeblichen „One-stop-shop“-Zutaten verfügen wir bereits – bis hin zu komplexen Wasserstoff-Energiekonzepten. „Best Building“ ist für uns in diesem Zusammenhang das zentrale Thema. Die zunehmende Bedeutung von ESG spielt uns diesbezüglich auch in die Karten.
Inwieweit läuft es mit der Erweiterung Ihrer BWT-Partner zu BHT-Partnern?
Daran arbeiten wir. Denn unsere BWT-Partner haben ja im Heizungsbereich vielfach langgelebte Partnerschaften. Es ist wohl ein etwas längerer Weg, doch am Ende des Tages zählen Expertise, Performance und Servicequalität – und hier sind wir sehr gut aufgestellt. Wer mit unserer Zusammenarbeit bisher zufrieden war, darf das auch im Heizungsbereich zu Recht von uns erwarten.
Wo sehen Sie bei Windhager ganz generell das Alleinstellungsmerkmal gegenüber Ihren Marktbegleitern?
Es gibt nicht das eine Argument. Es ist vielmehr eine Kombination. Windhager verfügt mit seiner über 100-jährigen Geschichte über eine jahrzehntelange Heizungskompetenz mit viel Innovationskraft, wie etwa einem konkurrenzlosen Verbrennungssystem bei Biomasse-Kesseln und der längsten Haltbarkeit. Natürlich zählt auch die heimische Produktion zu den zentralen Stärken. Mit unserer ausgeprägten Qualitäts- und Kundenorientierung gekoppelt mit der Schlagkraft unserer Gruppe sind wir somit sehr gut aufgestellt.
Letzte Frage: Warum sind Sie überzeugt, dass Windhager in fünf Jahren eine relevante Rolle im Wärmemarkt spielt?
Weil wir neben den bereits erwähnten Alleinstellungsmerkmalen marketingtechnisch in der Lage sind, diese Vorteile bei unseren Kunden und bei Endverbrauchern entsprechend zu kommunizieren. Außerdem glaube ich, dass der Gesamtmarkt das Tal der Tränen verlassen hat. Somit haben wir ganz gute Voraussetzungen, dass unser Weg nach oben geht. Mit unserem Engagement und der finanziellen Power, die wir in der Gruppe haben, sollte es gelingen, die Menschen von unseren Produkten so zu begeistern, wie wir es bereits sind.






