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Firmenpleiten sind um 25 Prozent gestiegen

von Klaus Klöckl
4. Oktober 2024
in Allgemein
Foto: 123rf/elenion1

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Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung wurden in den ersten drei Quartalen 2024 in Österreich 4.895 Unternehmen insolvent. Das sind durchschnittlich 18 Firmenpleiten pro Tag.

Besonders betroffen sind einmal mehr der Handel, die Bauwirtschaft und die Beherbergung/Gastronomie. In Kombination mit einer Vielzahl an Großinsolvenzen – bereits jetzt gibt es 55 Großinsolvenzen mit jeweils mindestens über zehn Millionen Euro – sind auch die vorläufigen Passiva auf rund 14,8 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 683 Prozent. Zudem sind die betroffenen Arbeitnehmer um knapp sechs Prozent auf 18.700 Personen und die Zahl der Gläubiger um circa 13 Prozent auf 36.800 Betroffene angewachsen.

Aufgrund der aktuellen Insolvenzdynamik erwartet der KSV1870 am Jahresende in etwa 6.500 Firmenpleiten. Eine Vielzahl der heimischen Unternehmen hat weiterhin massiv mit ihrer Geschäftslage und fehlenden Einnahmen zu kämpfen. Die seit knapp einem Jahr deutlich erhöhte Insolvenzdynamik bleibt aufrecht und findet im dritten Quartal 2024 ihre Fortsetzung, selbst wenn dieses in absoluten Zahlen leicht hinter den ersten beiden Quartalen des Jahres liegt.
„Der wirtschaftliche Druck ist auch während der Sommermonate nicht weniger geworden. Die Betriebe sind sehr häufig am Limit und müssen sich vermehrt die Existenzfrage stellen. Das wird auch in den kommenden Monaten nicht anders sein“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Auch, weil sich der private Konsum zuletzt ebenso wie die Exporte rückläufig entwickelt haben.

Jede dritte Insolvenz wird nicht eröffnet
Nach zuletzt einer leichten Entspannung steigt die Zahl der nichteröffneten Insolvenzfälle wieder an. Zum Ende des dritten Quartals 2024 wurden 1.804 Unternehmensinsolvenzen mangels Vermögens nicht eröffnet. Das sind 37 Prozent aller Firmenpleiten seit Jahresbeginn und ein Anstieg von 20 Prozent an „Nichteröffnungen“ gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das ist auch deshalb alarmierend, weil es dadurch nicht möglich ist, betroffene Unternehmen einem geordneten Insolvenzprozess zu unterziehen.
Im Regelfall bleiben Gläubiger dadurch nahezu zur Gänze auf der Strecke und sehen keinen Cent mehr von jenem Geld, welches ihnen aufgrund erbrachter Leistungen eigentlich zustehen würde. „Dass in diesen Fällen nicht einmal mehr 4.000 Euro für die Deckung der Gerichtskosten aufgebracht werden können, ist ein Armutszeugnis für die jeweiligen Betriebe und ein Fehler im Rechtssystem“, so Götze.

Insolvenztreiber: Handel, Bau, Gastronomie
Wie die aktuelle KSV1870 Analyse zeigt, verzeichnet der Handel 853 Fälle, (+16 Prozent gegenüber 2023) seit Jahresbeginn. Knapp dahinter folgt die Bauwirtschaft (814, +22 Prozent) und der Bereich Beherbergung/Gastronomie (596, +16 Prozent). Diese drei Branchen geben im negativen Sinne weiter „den Ton an“ und sind für knapp die Hälfte aller österreichweiten Unternehmensinsolvenzen verantwortlich.

Den größten prozentuellen Anstieg verzeichnet das „Grundstücks- und Wohnungswesen“ mit einem Plus von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein tiefergehender Blick in die Bauwirtschaft belegt, dass derzeit, vor allem der Hochbau und das Baunebengewerbe (unter anderem Elektriker, Installateure, Maler oder Dachdecker) mit zahlreichen Insolvenzen zu kämpfen haben. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres verzeichnet der Hochbau um 25 Prozent mehr Firmenpleiten, gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 zeigt sich eine Verdoppelung der Fälle.

Gleichzeitig zeigt sich im Baunebengewerbe im Vergleich zum Vorjahr eine sehr ähnliche Entwicklung – hier gibt es um 21 Prozent mehr Firmenpleiten, gegenüber dem Jahr 2019 liegt der Anstieg bei 13 Prozent. Darüber hinaus gibt es im Baunebengewerbe mit aktuell rund 1.600 Fällen, abseits einer Insolvenz, eine hohe Zahl an mehr oder weniger freiwilligen Schließungen. Die Gründe sind unter anderem eine fehlende wirtschaftliche Perspektive, fehlendes Personal und eine zu geringe Auftragslage, die es kaum möglich macht, gewinnbringend oder zumindest kostendeckend zu wirtschaften.

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