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Belastbare Marktdaten für Energiewende gefragt

von Redaktion
9. April 2026
in Allgemein
Foto: Simonis

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Georg Patay bleibt auch als aktiver Pensionist der SHK-Branche verbunden und kommentiert mit seiner mehr als 30jährigen HLK-Expertise in unterschiedlichen Managementfunktionen und Verbänden exklusiv für SHK-AKTUELL unterschiedliche Haustechnikthemen aus seinem Blickwinkel.

Jährlich präsentiert die VÖK die Marktzahlen aller Wärmeerzeuger auf der Welser Messe. Aber ebenso wichtig wie die jährlichen Verkaufszahlen der Heizsysteme wären auch Informationen über die Veränderungen im Bestandsmarkt.
Und genau diese Daten gibt es derzeit nur in Form einer Panelbefragung und nicht als Ist-Zahlen. Durch die aktuelle „Stopp-&-Go-Politik“ werden Konsumenten stark verunsichert und alte Heizkessel viel zu lange weiterbetrieben, bis ein Austausch technisch unvermeidbar ist. Ohne klare Kenntnis über den Ist-Bestand ist eine seriöse Energiepolitik kaum möglich. Aktuell fehlt eine österreichweit einheitliche Heizungs-Bestandsdatenbank. Stattdessen basiert die offizielle Datengrundlage auf dem Mikrozensus der Statistik Austria mit Fokus auf Haushaltsbefragungen und nicht auf der Basis von Heizsystemen.

Mikrozensus mit methodischen Schwächen
Die Bestandsdaten von Heizsystemen werden alle zwei Jahre von der Statistik Austria auf Basis von 22.500 Haushalten erhoben und diese Ergebnisse auf ganz Österreich hochgerechnet.
Entscheidend ist jedoch: Erfasst wird nur der Haushalt am Hauptwohnsitz – nicht das Gebäude und nicht das installierte Heizsystem. Die Statistik beantwortet somit die Frage, wie österreichische Haushalte heizen, jedoch nicht, welche Heizungen tatsächlich im Gebäudebestand installiert sind.

Derzeit keine Vollerhebung beim Heizungsbestand
Eine bundesweite Erfassung aller Heizsysteme existiert aktuell nicht. Weder Daten von Energieversorgern, Bundesländern noch Förderstellen oder Gebäuderegistern werden systematisch zu einer Gesamtübersicht zusammengeführt.
Besonders problematisch ist die Behandlung von Nebenwohnsitzen. Obwohl im Melderegister über 1,4 Millionen Nebenwohnsitze verzeichnet sind, gelten diese statistisch nicht als eigenständige Haushalte. Ohne hauptgemeldete Bewohner erfolgt keine Befragung und somit keine Information über vorhandene Heizungen. Zweitwohnsitze, Wochenendhäuser, leerstehende Wohnungen oder zeitweise genutzte Gebäude bleiben weitgehend unberücksichtigt. Die Folge: Es ist weiterhin unklar, wie viele fossile Heizsysteme tatsächlich existieren. Ob bis 2040 etwa 1,4 oder 1,8 Mio. Anlagen getauscht werden müssen, macht einen erheblichen Unterschied für Förderbudgets, Installateur-Kapazitäten und die Ausbildungsplanung.

Systematische Verzerrungen
Besonders sichtbar wird diese methodische Schwäche der Statistik Austria im Wiener Umland.
Viele Menschen leben in Niederösterreich in Einfamilienhäusern, haben ihren Hauptwohnsitz (Wohnung) jedoch in Wien. Gründe sind unter anderem Parkpickerlregelungen oder Vorteile bei medizinischer Versorgung und städtischer Infrastruktur. Dadurch entsteht ein statistisches Auseinanderfallen von Meldedaten und real genutzten Gebäuden. Beheizte Einfamilienhäuser im Speckgürtel – diese werden primär dezentral mit Pellets Anlagen, Wärmepumpen oder Gasbrennwertgeräten beheizt – sind unzureichend erfasst. Die Folge sind systematische Verzerrungen der regionalen Heizstruktur sowie unscharfe Annahmen über Energieverbrauch, Technologieverteilung und Transformationsbedarf.

Fazit: Ohne Bestandsdaten keine seriöse Energiepolitik
Der Mikrozensus liefert wertvolle Erkenntnisse über das Heizverhalten der Bevölkerung, ist jedoch methodisch ungeeignet, den realen Ist-Heizungsbestand abzubilden.
Der Fokus auf Hauptwohnsitz-Haushalte führt insbesondere bei Nebenwohnsitzen und Pendlerregionen zu strukturellen Verzerrungen. Eine faktenbasierte Energiepolitik benötigt daher eine österreichweit einheitliche Heizungs-Bestandsdatenbank auf Gebäude- und Heizungsebene. Nur wenn bekannt ist, welche Heizsysteme auf PLZ-Ebene installiert sind, kann der österreichische Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) effizient um Wasserstoffnetze ausgebaut, Förderungen zielgerichtet eingesetzt und Fachkräftekapazitäten realistisch geplant werden. Die ins Leben gerufene Reformpartnerschaft zwischen Bund und Ländern müsste auch das Thema „zentrale Bestandsdatenbank“ aufgreifen und in Form einer „Art.15a-“Vereinbarung fixieren. Was beim Fahrzeugbestand seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, könnte dann endlich auch für alle Heizsysteme gelten: eine lückenlose Erfassung des Heizungsbestands als Fundament einer wirkungsvollen Energie- und Umweltpolitik.

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